Kammerton a' = 440 Hz oder 442 Hz

Zwei Musiker, die jeweils perfekt gestimmt sind, klingen zusammen schief, wenn einer auf 440 und der andere auf 442 Hz stimmt. Diese Anleitung erklärt den Stimmton und die Wahl.

Was ist der Stimmton

Stimmen heißt, den eigenen Ton mit einer Referenz zu vergleichen. Üblich ist das a' (das eingestrichene A über dem mittleren C), gemessen in Hertz (Hz), also Schwingungen pro Sekunde. Der gültige internationale Standard (ISO 16) legt a' = 440 Hz fest. Alle anderen Töne werden in gleichstufiger Stimmung abgeleitet: Jeder Halbton multipliziert die Frequenz mit der zwölften Wurzel aus 2 (etwa 1,0595).

Wie weit liegen 442 und 440 auseinander

Unterschiede in der Stimmung misst man in Cent: Ein Halbton hat 100 Cent. Die Formel lautet 1200 × log₂(f / 440).

a' (Hz)Abstand zu 440Verwendung
415−101 ¢ (ein Halbton tiefer)Barockmusik auf historischen Instrumenten
430−40 ¢Grober Richtwert für klassische Musik auf historischen Instrumenten
432−32 ¢Von manchen bevorzugt; kein nachgewiesener musikalischer Vorteil
4400Internationaler Standard, Blaskapellen, Schulen, die meisten Stimmgeräte
442+7,9 ¢Viele Berufsorchester
443+11,8 ¢Einige europäische Orchester

Acht Cent (440 gegen 442) sind wenig, aber hörbar, wenn zwei Instrumente denselben Ton spielen: Es entsteht eine Schwebung, ein langsames Pulsieren der Lautstärke. Die Schwebungsfrequenz entspricht dem Frequenzunterschied, 440 und 442 Hz ergeben also 2 Schwebungen pro Sekunde.

Warum Orchester höher stimmen

Im Lauf der Geschichte ist der Stimmton tendenziell gestiegen, weil ein etwas höherer Klang heller wirkt. Quellen aus dem Europa des 17. und 18. Jahrhunderts zeigen je nach Stadt und Epoche sehr unterschiedliche Stimmtöne (siehe Geschichte der Stimmung). Heute stimmen viele Berufsorchester über 440 Hz, zwischen 442 und 443 Hz, aber es gibt keine feste Regel: Jedes Orchester entscheidet selbst.

Und 432 Hz?

Im Internet kursieren Behauptungen über besondere Wirkungen des a' bei 432 Hz. Es gibt keine seriösen Belege, dass diese Stimmung „natürlicher“ oder gesünder wäre. Sie ist eine mögliche Stimmung mit eigener Geschichte (siehe Tabelle); wählt sie ein Ensemble, ist das eine ästhetische Entscheidung, keine musikalische Wahrheit.

So einigt ihr euch im Ensemble

  1. Frag nach dem Stimmton der Gruppe. Blaskapelle oder Chor stimmen meist auf 440, ein Orchester auf 442 oder 443.
  2. Alle stimmen nach derselben Quelle (Klavier, Oboe, Stimmgerät oder Bordunton), nicht jeder nach seinem Gerät mit anderem Stimmton.
  3. Beim gestimmten Klavier gilt das Klavier-a'. Ein Klavier lässt sich nicht spontan ändern, also passen sich die anderen an.
  4. Stell dein Stimmgerät auf denselben Stimmton. Im Atril-Stimmgerät änderst du ihn unter ⚙.

Wie sich der Stimmton am Instrument ändert

Bei Blasinstrumenten verlängerst oder verkürzt du das Rohr: den Stimmzug bei Blech, das Birnenstück bei Flöte und Klarinette. Herausziehen vertieft, Hineinschieben erhöht. Für 2 Hz genügen meist wenige Millimeter, doch danach musst du die übrigen Töne prüfen, denn jedes Instrument hat eigene Intonationstendenzen.

Stimmgerät öffnen Bordunton (Referenz-a')

Mehr Daten und Quellen: Geschichte von Stimmton und Tempo. Weiter: richtig stimmen.

Häufige Fragen

Welchen Stimmton nehme ich zum Üben allein?

440 Hz: Das ist der Standard und der von fast allen Stimmgeräten, Apps und Begleit-Aufnahmen. Spielst du in einem Orchester mit höherem Stimmton, passt du dich auf Wunsch an.

Hört man den Unterschied zwischen 440 und 442?

Ja, wenn beide zusammen erklingen: 2 Hz Abstand ergeben 2 Schwebungen pro Sekunde. Allein fällt es ohne Vergleich kaum auf.

Was ist der Unterschied zwischen Stimmgabel und Stimmgerät?

Die Stimmgabel gibt einen festen Ton ab (meist a' 440). Das elektronische Stimmgerät misst deinen Ton und zeigt die Abweichung von der gewählten Referenz.